Ein anderer Blick

Ein anderer Blick: Über die Bilder.

für Ana Spadafora (*) und  Ariana Vacchieri (**)

Übersetzer: Zoltan Szankay

Im allgemeinen bebildern die fotografischen Zeugnisse der Love Parade die panoramische Dimension des Festes:  erfasst wird ihre Einbindung in das Stadtbild, oder die breite und bizaree Vielfalt der raver.Wir finden aber in ihnen kaum einen Zugang zu den vielfältigen Formen und Sinnbesetzungen durch die diese Akteure das Megafest erleben.

Die Fotos von Lena Szankay eröffnen genau diesen Zugang. Sie entwickelt einen Zugriff auf ihre Figuren, der weniger auf Registrierung als auf eine Art Idealisierung ausgeht. Die Stellung des Objektivs lässt sie mal übergross, mal fragmentiert erscheinen: sie werden hyperreal.

Es ist dieser Blick, der durch ein beharrliches close up zustandekommt, der den Bildern ihre unverwechselbare Marke gibt. Sie werden allerdings durch diese nicht mehr als journalistische Dokumentationen verwendbar. Die Bilder sind stumm, sie sagen praktisch nichts über das Fest oder übeer die Stadt in der es stattfindet, aus. Sie heben sich als Symptome einer Kultur der Diversität heraus. Sie sind keine Fotos von der Love Parade, sondern dessen, was sie beseelt.

Es gibt kaum Gesichter auf Lena’s Arbeiten. Auch keine komplizenhaften Blickkontakte mit der Fotografin. Die lächelnde oder grimassierende Reaktionen auf das Angesehenwerden haben in ihnen keinen Platz. Es sind nicht einmal im Ausdruck einswerdende Körper die erscheinen, sondern Körperfragmente: Arme, Nacken, Haare, Ohren, Torsos, sie alle überausgestellt, durch accessoires stilisiert, durch Brillen, Tätowierungen, Piercings, oder auch durch das Objektiv. Mit einem Wort: Fragmente einer Identität, die aufgehört hat sich auf das Subjekt und das Gesicht zu zentrieren, und der der Körper zum Terrain wurde, auf den die Kämpfe unserer Kulturen ausgetragen werden.

Dieser Zugang und Zugriff ist ein fortrwirkendes Moment im Werdegang unserer Autorin: das Interesse für den Körper als Raum, in dem sich die Spuren der Kultur und der Identität bilden. Diese Thematik animiert einen Grossteil ihres Werkes. Sie deutet auch auf eine Befragung ihrer eigenen Identität hin, die sowohl durch die Wanderungsgeschichte Lena’s und durch ihr Fremdsein in vielen Orten bewegt sein mag, wie durch ihre gute Identifizierung mit der Love Parade als Medium einer Zugehörigkeit. Sie ist wohl weniger die Bürgerin eines Landes, als die einer Epoche und einer Kultur.

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Ana Spadafora: Anthropologin, Forscherin am Nationalen Rat für wissenschaftliche und technische Forschungen (CONICET), Lehrkraft am Institut für Anthropologie, Abteilung Ethnographie und Ethnologie, Fakultät für Geisteswissenschaften, Nationaluniversität Buenos Aires (UBA).

Ariana Vacchieri: Comunicóloga, especializada en medios y procesos culturales. Docente de grado en la Universidad de Buenos Aires y de posgrado en la Facultad Latinoamericana de Ciencias Sociales. Ha publicado diversos trabajos sobre televisión, consumos culturales y comunicación de políticas sociales.

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© Lena Szankay

lenikem@hotmail.com  o  photo@szankay.com

http://www.schautankstelle.com